Grenzüberschreitende Kläranlage Wissembourg

Die grenzüberschreitende Kläranlage Wissembourg

Projekt

Im Beizugsgebiet Wissembourg wurde als Ersatz für eine 1972 in Betrieb gestellte alte Kläranlage eine neue Anlage errichtet, die Mitte 2014 eingeweiht wurde.

Der Standort dieser neuen Anlage befindet sich im Osten des Ballungsgebiets in der Verlängerung des gemeindeübergreifenden Gewerbegebiets „Ost“. Außer den Abwässern und Regenwässern, die aus den Sammelnetzen der Stadt Wissembourg, des Ortsteils Weiler und der angeschlossenen Gemeinde Altenstadt stammen, wird in der neuen Kläranlage das Wasser der benachbarten deutschen Gemeinden Schweigen-Rechtenbach und Schweighofen sowie des Weilers St. Germanshof behandelt.

Die zu behandelnde Abwasserfracht stammt :

  • aus Haushalten : Bevölkerung der angeschlossenen Gemeinden,
  • aus Gewerbebetrieben und touristischen Einrichtungen : Restaurants, Gewerbeunternehmen, in den Gewerbegebieten Ost und Süd angesiedelte Firmen, schulische Einrichtungen,
  • aus industrieller oder gleichgestellter Tätigkeit : Weinkeller Wissembourg und Krankenhaus,
  • aus demWeinbau : aus dem Weinbau stammende Abwasserfracht der deutschen Gemeinden Schweigen-Rechtenbach und Schweighofen.

Nach erfolgter Behandlung wird das Wasser in die Lauter eingeleitet.

Interviews

  • Christian GLIECH, Bürgermeister von Wissembourg
    Christian GLIECH, Bürgermeister von Wissembourg
  • Martin ENGELHARD, Verbandsgemeinde Bad-Bergzabern
    Martin ENGELHARD, Verbandsgemeinde Bad-Bergzabern
  • Benoît JUND, Techniker im Planungsbüro von SDEA
    Benoît JUND, Techniker im Planungsbüro von SDEA

Besonderheiten der Kläranlage Wissembourg

Innovation
Die hochmoderne Kläranlage Wissembourg wartet mit zahlreichen Innovationen auf.
Hier ist in erster Linie die Prozesstechnik mit Installation von Hybrid-Kompressoren zu erwähnen. Damit können am Hauptverbraucher, der Belüftungsanlage, beträchtliche Energieeinsparungen erzielt werden.
Darüber hinaus ist die Ansteuerung der Belüftung mit Sonden neuester Technologie (Ammonium-Nitrat-Sonden) zu nennen. Im Ergebnis des Einsatzes dieser Technik kann der Energieverbrauch optimiert und eine exzellente Klärleistung - insbesondere für die diversen Stickstoffformen - erreicht werden.
Umweltschutz
Alle zum Schutz der Umwelt erforderlichen Sicherungsmaßnahmen wurden ergriffen :
Anlage mit zwei Klärlinien, wodurch die Kontinuität der Behandlung bei Generalreparaturen an Bauwerken und Ausrüstungen gewährleistet wird; Installation von Sicherheitsausrüstungen (Pumpen, Rechenreiniger usw.); redundante Automatisierungstechnik und verkabelte Sicherheitsmodi.
Platzsparende Gestaltung
Dank des Einsatzes konzentrisch angeordneter Becken (Klärbecken jeweils mittig und Belüftungskanäle außen) wird nur eine minimale Bodenfläche beansprucht (Lage in einem Natura-Bereich).
Pflanzungen
Unter Anleitung von Fachleuten für Ökologie und Botanik werden Bäume, Hecken und Sträucher neu gepflanzt.
Tertiäre Abwasserbehandlung Dazu wurde zwischen dem Auslauf aus der Kläranlage und der Lauter ein begrünter Einleitungsbereich geschaffen. In diesem Bereich wurden im Rahmen einer Öko-Aktion mit Bürgerbeteiligung (Partnerschaften mit Schulen, Vereinen usw.) Arten angepflanzt, die für die lokalen Feuchtgebiete typisch sind. Außer der Funktion einer dritten Reinigungsstufe übernimmt dieser Bereich die Rolle eines Biotops.
Energieeinsparungen
Durch Einsatz von Hybrid-Kompressoren können bei Elektroenergie Einsparungen von ca. 10 bis 15 % erreicht werden.
Durch Einsatz von Hybrid-Kompressoren können bei Elektroenergie Einsparungen von ca. 10 bis 15 % erreicht werden.
Optimierung der Abwasserbehandlung und der Energieverbräuche Diese Posten werden dadurch optimiert, dass zur Prozesssteuerung Ammonium-Nitrat-Sonden, Frequenzumrichter und spezielle Algorithmen zur Anwendung gelangen.
Vorbehandlung bei hoher Abwasserfracht Im Zuge der Vorbehandlung können Fette, die in der Anlage oder in nahegelegenen Körperschaften anfallen, Ablassprodukte und gegebenenfalls (anlagenkompatible) industrielle Emissionen behandelt werden. Dadurch können Entsorgungskosten gespart werden. Zudem werden die für den Transport erforderlichen Kosten und die dabei entstehenden Emissionen reduziert.
Wärmedämmung
Die Dämmung entspricht der neuen Wärmeschutzverordnung RT2012.
Beheizung
Mit einer Wärmepumpe kann die am Ausgang aus der Anlage im behandelten Wasser befindliche Wärme zurückgewonnen werden. Die beiden Gebäude (Betriebsraum und Schlammentwässerung) werden mit Systemen zur kontrollierten mechanischen Lüftung im Doppelstromverfahren ausgestattet. Damit kann die Zuluft mit der Abluft aus den Räumen erwärmt werden.

Funktion

Wesentliches Kettenglied

Eine Kläranlage stellt ein wesentliches Kettenglied des Wasserkreislaufs dar. Sie dient der Reinigung des Abwassers vor dessen Einleitung in das natürliche Milieu und gestattet damit die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im aquatischen Ökosystem. Die Kläranlage Wissembourg wurde zur Abwasserbehandlung für 30.000 Einwohneräquivalente (35.000 Einwohneräquivalente während der Weinlese) konzipiert.

Abwasserzulauf

Die Abwässer und Regenwässer laufen in die Abwasserkanalisation der diversen Gemeinden und in die interkommunalen Sammler ein.

Die Überleitung des Abwassers von der alten Anlage bis zum Standort der neuen Anlage erfolgt durch :

  • Einsatz einer neuen Pumpstation,
  • Verlegen einer Druckleitung bis zur Kreuzung von Departementstraße RD 3 und Eisenbahn an der Einfahrt in das Gewerbegebiet „Ost“ (Guss Ø 400 mm – 485 m),
  • Verlegen einer Freispiegelleitung, die das Gewerbegebiet „Ost“ bis zur neuen Kläranlage durchzieht (Beton Ø 500 mm – 2555 m).
Vorbehandlung

Das Abwasser durchläuft zwei Feinrechen (Rechenabstand 3 mm). Hier werden Feststoffe (Hygieneabfälle, Detritus) zurückgehalten. Das Abwasser gelangt danach in ein zylindrisch-konisches Bauwerk, den Sand- und Fettfang. Innerhalb dieser Vorrichtung werden Sand und Fett durch ein einfaches physikalisches Trennverfahren abgeschieden.

Zudem werden die in die Anlage einlaufenden Wassermengen erfasst (Durchsätze und Volumina), und es erfolgt eine automatische Probenahme zu Analysezwecken.

Vorbehandlung bei hoher Abwasserfracht

Mit dieser Anlage ist eine kombinierte Vor-Ort-Behandlung von Fetten (in der Anlage anfallend oder eingetragen), Ablassprodukten sowie bei Bedarf von externen belasteten Emissionen möglich.

Biologische Behandlung

Dies ist der wesentliche Teil der Behandlung. Hier wird im Intensivverfahren eine Biomasse mit Reinigungswirkung herangezogen. Diese besteht aus Mikroorganismen, die einen schnellen Abbau der gelösten Abwasserfracht gestatten.

Diese Mikroorganismen ernähren sich von den Schmutzstoffen und verbrauchen den durch Einblasen von Luft eingetragenen Sauerstoff.

Diese Behandlung erfolgt in zwei getrennten Klärlinien in zwei Bioreaktoren (Belüftungskanäle) in Ringform mit einem Gesamtvolumen von 9200 m³.

Klärbecken

Es handelt sich hierbei um konzentrische Bauwerke, die in der Mitte der Belüftungskanäle platziert sind.

In den Klärbecken, auch „Absetzbecken“ genannt (Gesamtfläche 852 m²) werden die Schlämme, die Flocken ausbilden, durch Schwerkraft vom behandelten Wasser getrennt. Sie setzen sich am Beckenboden ab und werden zum Teil durch Verpumpen wieder in die Bioreaktoren aufgegeben. Das an der Oberfläche befindliche Wasser wird dann in das natürliche Milieu, die Lauter, abgeleitet.

Die Wassermengen, die die Anlage verlassen, werden wiederum erfasst, und es erfolgen automatische Probenahmen zu Analysezwecken.

Begrünter Einleitungsbereich

(tertiäre Abwasserbehandlung)

Es handelt sich hierbei um einen Zwischenbereich vor Einleitung in das natürliche Milieu, der sich zwischen dem Austritt aus der Anlage und dem Eintritt in das Aufnahmemilieu, die Lauter, befindet. Dieser meanderförmig gestaltete Bereich weist eine Gesamtfläche von 5000 m², davon 1500 m² Wasserfläche, auf. Damit sollen die Auswirkungen der Einleitung auf das natürliche Milieu durch Schaffung eines Feuchtgebiets, in dem die Artenvielfalt gefördert wird (Biotop), minimiert werden.

Schlammbehandlung

Überschussschlamm wird aus den Klärbecken entfernt und in einen Schlammbehandlungsraum (Schlammentwässerung) verbracht. In diesem Raum werden die Schlämme nach erfolgter Konditionierung (Zusatz von Polymeren) mit Hilfe von zwei Zentrifugen entwässert.

In dem angrenzenden Raum (Schlammstapel) können die Schlämme gelagert werden (15 Tage bis 1 Monat). Zudem besteht die Möglichkeit der Installation eines Mischers (Schlämme und Grünabfälle), um vor Ort eine Kompostierung vornehmen zu können.

Betriebsbereich

Der Betriebsbereich umfasst die Schaltwarte, ein Labor, Sanitäranlagen, einen kleinen Aufenthaltsraum, einen E-Raum und einen schallisolierten Raum für die Kompressoren.

Klär- und Kanalsandgrube

Dieses Bauwerk dient der Lagerung vonKanalsanden aus den Kanalisationsnetzen und Gullys des Sektors.

Der Inhalt der zur Wartung dieser Netze eingesetzten Fahrzeuge kann regelmäßig in diese Grube entleert werden. Der mit Detritus und organischen Substanzen durchsetzte Sand kann dann abtropfen.

Das Filtrat (rückgewonnenes Wasser) wird zur erneuten Behandlung in die Station eingetragen. Ist die Grube voll und der Sand abgetrocknet, wird er mit einem Bagger ausgeräumt. Der Sand kann dann mit Kübelfahrzeugen in eine Waschanlage (Sandwäscher) abtransportiert werden.

Mit dieser Grube können weitere Behandlungskosten gespart werden (weniger Tonnen zu waschenden Sandes). Zudem können die Entfernungen, die mit den Fahrzeugen zwecks Entleerung zurückgelegt werden müssen, eingeschränkt werden.

Kläranlage
  1. 1Abwasserzulauf
  2. 2Vorbehandlung
  3. 3Vorbehandlung bei hoher Abwasserfracht
  4. 4Biologische Behandlung
  5. 4Biologische Behandlung
  6. 5Klärbecken
  7. 5Klärbecken
  8. 6Begrünter Einleitungsbereich
  9. 7Schlammbehandlung
  10. 8Betriebsbereich
  11. 9Klär- und Kanalsandgrube

Klicken Sie auf die Punkte, um die Einzelheiten anzuzeigen

  • Abwasserzulauf
    Abwasserzulauf
  • Vorbehandlung
    Vorbehandlung
  • Vorbehandlung bei hoher Abwasserfracht
    Vorbehandlung bei hoher Abwasserfracht
  • Biologische Behandlung
    Biologische Behandlung
  • Klärbecken
    Klärbecken
  • Begrünter Einleitungsbereich
    Begrünter Einleitungsbereich
  • Schlammbehandlung
    Schlammbehandlung
  • Betriebsbereich
    Betriebsbereich
  • Klär- und Kanalsandgrube
    Klär- und Kanalsandgrube

Chiffres clés

Behandelte Volumina
Behandelte
Volumina
4 000
bis 5 000 m3/Tag
Tagesaufkommen an Abwasser bei trockenem Wetter
13 500 m3/Tag Tagesaufkommen an zu behandelndem Wasser bei Regenwetter
Hydraulischer Durchsatz und Anlagenleistung
Hydraulischer Durchsatz und
Anlagenleistung
565 m3/Stunde Maximaler Durchsatz des Hebewerks am Einlauf in die Anlage
2 x 4 600 m3 Volumen der Belüftungsbecken
2 x 426 m2 Fläche der Klärbecken
Schlammanfall
Schlammanfall
2 Anzahl der Zentrifugen zur Schlammbehandlung
2 700 kg pro Stunde behandelter Rohschlamm (22 % Trockengehalt)
750 tonnes Trockenmasse,
entspricht ca. 3.400 Tonnen jährlich anfallenden entwässerten Schlamms
Schlüsseldaten
Schlüsseldaten
27/03/2013 Erster Spatenstich durch Abgeordnete
03/02/2014 Reportage mit France 3
16/04/2014 Installation der Räumerbrücke
17/06/2014 Bepflanzung des Einleitungsbereichs mit einer Schulklasse aus Wissembourg
21/10/2014 Inbetriebnahme der Anlage (Öffnen des Schiebers)
Bauarbeiten
Bauarbeiten
20 à 25 Unternehmen : Gesamtanzahl der Unternehmen, die auf der Baustelle tätig wurden

Finanzpartner

Finanzpartner

  • Rat des Departements Bas-Rhin
    Rat des Departements Bas-Rhin
  • Wasseramt Rhein-Maas
    Wasseramt Rhein-Maas
  • Région Alsace
    Region Elsass
  • INTERREG IV Oberrhein
    INTERREG IV Oberrhein
  • Europäische Union
    Europäische Union
  • SDEA
    Syndicat des Eaux et de l'Assainissement Alsace-Moselle
  • Stadt Wissembourg (Weißenburg) / SDEA (Abwasserzweckverband) - Einzugsgebiet Wissembourg
    Stadt Wissembourg (Weißenburg) / SDEA (Abwasserzweckverband) - Einzugsgebiet Wissembourg
  • Dahner-Felsenland
    Dahner-Felsenland
  • Verbandsgemeinde Bad-Bergzabern
    Verbandsgemeinde Bad-Bergzabern
Parts de financement
  • Krankenhaus Wissembourg : 1%
  • Weinkeller Wissembourg : 3,5%
  • CD 67 (Generalrat Bas-Rhin) : 7,9%
  • AERM : 16,7%
  • Europa – INTERREG : 16,9%
  • Deutsche Gemeinde : 23%
  • SDEA Wissembourg : 30,8%

Beteiligte Firmen

  • Degrémont
    Erbauer der Anlage, Ausrüstungen Degrémont France Assainissement
    1 rue des Fauvettes 67540 Ostwald
  • Urban
    Tiefbauarbeiten, Straßen/Wege, diverse Mediennetze Urban-Dumez
    Rue de Lisbonne 67300 Schiltigheim
  • René Hemmerlé
    Gebäude René Hemmerlé
    97 rue Principale 67160 Schleithal
  • Walter et Schimpt
    Architekt Mme Charlotte Walter-Schimpf
    3 rue des Dominicains 67160 Wissembourg

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